Schlesisches Weihnachtsessen
Ein schlesisches Weihnachtsessen ist kein Festmenü mit fünf Gängen. Es ist ein paar sehr feste Gewohnheiten, die über drei Tage verteilt sind. Am Heiligen Abend die Weißwurst mit Sauerkraut, am ersten Feiertag das Schlesische Himmelreich, dazwischen und danach Mohnklöße, kalt aus der Speisekammer. Diese Seite erklärt die Gerichte und gibt dir einen Plan, wie du das zu Hause nachkochst.

Der Heilige Abend: Weißwurst mit Sauerkraut
In Görlitz, in der Oberlausitz und im alten Niederschlesien war der 24. Dezember lange ein Fastentag. Tagsüber gab es wenig, die Küche war mit Vorbereitungen beschäftigt, und erst nach der Bescherung kam das erste richtige Essen: Schlesische Weißwurst, in Butter gebraten, mit Specksauerkraut und Stampfkartoffeln. Schnell gemacht, warm, sättigend, und für Kinder, die vor Aufregung kaum sitzen konnten, genau richtig. In manchen Familien gab es stattdessen Karpfen, in vielen beides, je nachdem, wer am Tisch saß.
Was die Weißwurst ausmacht und wie du sie zubereitest, steht auf den Seiten Schlesische Weißwurst und Weihnachtsbratwurst zubereiten.
Der erste Feiertag: Schlesisches Himmelreich
Geräuchertes oder gepökeltes Schweinefleisch, mit Backobst geschmort: getrocknete Pflaumen, Äpfel, Birnen, Aprikosen. Die Soße ist süß und rauchig zugleich, dazu Klöße oder Semmelknödel. Das Gericht braucht Zeit und einen großen Topf, deshalb gehört es auf den Feiertag, nicht auf den Abend davor. Wer es nicht kennt, ist beim ersten Mal irritiert und beim zweiten Mal überzeugt.
Mohnklöße: der Nachtisch, der drei Tage hält
Mohnklöße sind keine Klöße. Es sind Schichten aus eingeweichten Semmelscheiben und einer Masse aus gemahlenem Mohn, Milch, Zucker, Butter, Rosinen und Mandeln, kalt serviert. Sie werden am 23. Dezember gemacht und stehen dann in einer großen Schüssel in der Speisekammer. Jeder, der vorbeikommt, nimmt sich einen Löffel. Am dritten Tag ist die Schüssel leer.
Rezept für Mohnklöße
- 250 g gemahlener Mohn
- 500 ml Milch
- 100 g Zucker, 1 Päckchen Vanillezucker
- 50 g Butter
- 80 g Rosinen, 50 g gehackte Mandeln
- 6 bis 8 altbackene Semmeln oder 300 g Weißbrot
- Mohn mit Milch, Zucker und Vanillezucker unter Rühren aufkochen, 5 Minuten quellen lassen. Butter, Rosinen und Mandeln unterrühren.
- Semmeln in dünne Scheiben schneiden und in etwas warmer Milch kurz einweichen.
- In einer Schüssel abwechselnd Semmelscheiben und Mohnmasse schichten, mit Mohn abschließen.
- Abdecken und mindestens 12 Stunden kalt stellen. Kalt servieren.

Specksauerkraut, wie es dazu gehört
Speckwürfel in Schmalz auslassen, eine Zwiebel darin glasig dünsten, Sauerkraut dazugeben, mit Brühe angießen, Lorbeerblatt und ein paar Wacholderbeeren hinein, 30 Minuten leise köcheln. Manche geben einen geriebenen Apfel dazu, manche einen Schuss Weißwein. Beides ist erlaubt. Zucker nur, wenn das Kraut sehr sauer ist. Das vollständige Rezept mit Stampfkartoffeln steht auf der Rezeptseite.
Was sonst noch auf den Tisch gehörte
- Pfefferkuchen und Liegnitzer Bomben, die schlesische Antwort auf Lebkuchen.
- Streuselkuchen, in Schlesien die Sonntagsform von Kuchen überhaupt, zu Weihnachten mit Mohn.
- Bratäpfel aus dem Ofen, mit Marzipan oder Rosinen gefüllt.
- Karpfen am Heiligen Abend, in Familien, die den Fastentag ernst nahmen.
Ein Plan für drei Tage
| Tag | Gericht | Vorbereitung |
|---|---|---|
| 23. Dezember | Mohnklöße ansetzen, Sauerkraut kochen | abends, 1 Stunde |
| 24. Dezember | Weißwurst mit Specksauerkraut und Stampfkartoffeln | 30 Minuten vor dem Essen |
| 25. Dezember | Schlesisches Himmelreich mit Klößen | 2 Stunden, schmort allein |
| 26. Dezember | Reste: Wurst mit Kraut aus der Pfanne, der Rest Mohnklöße | 20 Minuten |
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